Die zollfreie Grenze von $800 für Pakete in die USA gilt nicht mehr - Zoll fällt auf jede Bestellung an, selbst auf ein T-Shirt für $15. In diesem Artikel erfährst du, was sich genau geändert hat, wer jetzt zahlt, wie du deine Preise neu kalkulierst, den Zoll im Shopify-Checkout anzeigst und deinen Lieferanten prüfst, damit Kunden ihre Pakete nicht verweigern.

Schritt 01Verstehe, was mit de minimis passiert ist

De minimis ist die Regel, nach der Sendungen in die USA mit einem Warenwert bis $800 zollfrei und fast ohne Formalitäten eingeführt werden konnten. Darauf hat das Dropshipping aus China jahrelang aufgebaut: Ein Produkt für $10 ging direkt an den Kunden, und niemand musste etwas nachzahlen.

Die Regel wurde schrittweise abgeschafft:

  • 2. Mai 2025 - die Befreiung entfällt für Waren aus China und Hongkong.
  • 29. August 2025 - die Aussetzung gilt für alle Länder.
  • Februar 2026 - der Supreme Court der USA kippt die Zölle, die auf Grundlage des IEEPA eingeführt wurden. Am 20. Februar folgt eine neue Executive Order: Die Aussetzung von de minimis bleibt für alle Länder bestehen. Ab dem 24. Februar gilt ein befristeter Zoll von 10% nach Section 122 für 150 Tage.
  • 24. Juni 2026 - die US-Zollbehörde (CBP) veröffentlicht die Regeln zur unbefristeten Aussetzung: für Kurier- und Frachtsendungen sofort, für Postsendungen ab dem 24. Juli 2026, zusammen mit einer neuen vereinfachten Postverzollung.
  • 1. Juli 2027 - die Befreiung fällt mit dem One Big Beautiful Bill Act endgültig weg. Ausnahmen bleiben nur für Dinge, die auf Reisen gekauft wurden, und für echte Geschenke von Privatpersonen.

Außerdem führt das Gesetz Strafen für den Missbrauch von de minimis zur Umgehung der Zollvorschriften ein: $5.000 beim ersten Verstoß und bis zu $10.000 bei jedem weiteren. Tricks mit „Geschenken“ oder zu niedrig angegebenem Warenwert in der Zollerklärung sind also eine schlechte Idee.

Die Zollsätze ändern sich dabei weiter. Laut dem Tracker von Zonos gilt der Zoll nach Section 122 seit dem 24. Juli 2026 nicht mehr für Postsendungen. Stattdessen wird für die meisten Länder ein Zoll nach Section 301 erhoben - 10% oder 12,5% je nach Ursprungsland, zuzüglich der regulären Sätze. In einem offiziellen CBP-Dokument haben wir diese Änderung nicht überprüft, also schau dir vor der Preiskalkulation die aktuellen Sätze an. Der Text der Regel zur Aussetzung ist im Federal Register veröffentlicht.

Schritt 02Entscheide, wer den Zoll zahlt: DDP oder DDU

Bezahlt wird der Zoll so oder so. Die Frage ist nur, von wem und wann. Es gibt zwei Möglichkeiten.

DDU (DAP) - der Kunde zahlt den Zoll bei der Zustellung. Der Kurier schickt ihm eine Rechnung: Zoll, Steuer und oft noch eine Gebühr des Versanddienstleisters für die Zollabwicklung. Der Kunde hat einen Hoodie für $40 bestellt und soll jetzt für etwas draufzahlen, vor dem ihn niemand gewarnt hat. Viele verweigern dann einfach die Annahme.

Eine verweigerte Sendung trifft dich dreifach: Die Ware ist weg oder kommt auf deine Kosten zurück, der Kunde eröffnet einen Streitfall beim Zahlungsanbieter, und häufige Chargebacks führen direkt zum Einfrieren deines Kontos. Wie du das verhinderst, steht in einem eigenen Artikel: Stripe-Sperre: So bewahrst du dein Konto vor dem Einfrieren.

DDP - du zahlst den Zoll, und zwar schon vor der Zustellung. Du berechnest ihn dem Kunden im Checkout oder kalkulierst ihn in den Preis ein, und der Lieferant oder Versanddienstleister begleicht ihn beim Zoll. Der Kunde bekommt sein Paket ohne Nachzahlung.

Für Einzelhandels-Dropshipping in die USA gibt es aktuell nur eine Lösung, die funktioniert: DDP. DDU kommt höchstens für teure Produkte infrage, bei denen der Kunde vorher weiß, dass eine Verzollung ansteht, und damit einverstanden ist.

WichtigWenn du per DDU verkaufst, schreib das klar auf die Produktseite und in den Checkout: „Zölle und Steuern werden bei Zustellung bezahlt“. Versteckte Nachzahlungen sind ein häufiger Grund für Streitfälle und Beschwerden wie „Artikel entspricht nicht der Beschreibung“.

Schritt 03Kalkuliere deine Preise neu

Die alte Formel „Einkauf + Versand + Aufschlag“ funktioniert nicht mehr. Zu den Selbstkosten gehören jetzt:

  • der Einkaufspreis der Ware;
  • der Versand zum Kunden;
  • der Zoll - ein Prozentsatz vom Zollwert, der vom Warencode (HS-Code) und vom Herstellungsland abhängt;
  • eine Gebühr des Versanddienstleisters oder Lieferanten für die DDP-Abwicklung, falls es eine gibt;
  • die Shopify-Gebühr für die Zollberechnung, wenn du den Zoll im Checkout einziehst (mehr dazu unten).

Ein Beispiel mit einfachen Zahlen: Einkauf $8, Versand $6, Zollsatz angenommen 20% vom Warenwert - das sind noch einmal $1,6. Die Selbstkosten liegen schon bei $15,6 statt $14. Bei einem Produkt für $29,99 frisst die Differenz einen spürbaren Teil der Marge, und bei günstigen Artikeln für $9,99 rechnet sich das Modell unter Umständen gar nicht mehr.

Rate den Zollsatz für dein Produkt nicht. Finde den HS-Code heraus (den kennt meist der Lieferant) und prüf den Satz in einem Zollrechner oder beim Versanddienstleister. Die Sätze haben sich 2026 mehrfach geändert, deshalb solltest du deine Preise mindestens einmal im Monat neu durchrechnen.

Danach hast du zwei Wege: den Preis so anheben, dass der Zoll schon drin ist, oder den Preis lassen und den Zoll im Checkout als eigene Zeile ausweisen. Der erste Weg ist für den Kunden einfacher - er sieht nur eine Zahl. Der zweite ist transparenter, wenn verschiedene Produkte unterschiedliche Sätze haben. Wenn du die Preise erhöhst, schau dir deine Produktseiten noch einmal an: Beschreibung und Fotos müssen den neuen Preis rechtfertigen. Mehr dazu im Artikel Produktseiten bei Shopify optimieren.

Schritt 04Richte Zölle im Shopify-Checkout ein

Shopify kann Zölle und Einfuhrsteuern direkt im Checkout berechnen, sodass der Kunde alles auf einmal bezahlt. So gehst du vor:

  1. Hinterlege für deine Produkte den HS-Code und das Ursprungsland. Das geht gesammelt per CSV oder im Bulk Editor. Ohne diese Angaben wird die Berechnung ungenau.
  2. Öffne Settings → Taxes and duties, klicke im Bereich Duties and import taxes auf Set up und dann auf Agree and activate.
  3. Wenn du per Post verschickst, aktiviere unter Manage → Related settings die Option Use postal duty rates into the United States. Standardmäßig rechnet Shopify mit den Sätzen für Kurierdienste, und die können bei Post abweichen. Für diesen Modus brauchst du ein Standard-Ursprungsland.
  4. Prüfe, ob dein Versanddienstleister DDP-Labels unterstützt. Sonst kassierst du den Zoll beim Kunden, und der Kurier schickt ihm trotzdem eine Rechnung.

Die Zollberechnung kostet Geld. Laut der Shopify-Hilfe beträgt die Gebühr 0,85% pro Bestellung mit Shopify Payments und 1,5% mit externen Zahlungsanbietern. Seit dem 2. Februar 2025 gilt für alle ein befristeter Satz von 0,5%, bis wann, sagt Shopify allerdings nicht. Prüf den aktuellen Satz in deinem Admin-Bereich.

Die Funktion lässt sich nicht mit dem Shopify Fulfillment Network kombinieren und unterstützt nicht alle Checkout-Einstellungen - die Liste der Einschränkungen findest du in derselben Hilfe.

TippBevor du Werbung schaltest, gib eine Testbestellung an eine US-Adresse auf und prüf, ob die Zeile mit dem Zoll erscheint und der Betrag plausibel ist. Das dauert 10 Minuten, ein Fehler bei laufenden Bestellungen kommt dich deutlich teurer.

Schritt 05Zieh Lager und Lieferanten in den USA in Betracht

Beim Versand aus dem Ausland wird der Zoll jetzt für jedes einzelne Paket fällig. Es gibt aber einen anderen Weg: die Ware als eine Lieferung in die USA einführen, verzollen und die Bestellungen dann innerhalb des Landes verschicken.

Lieferanten mit lokalen Lagern. Viele Dropshipping-Plattformen und Lieferanten haben Lager in den USA. Ware von dort ist teurer, aber der Zoll ist schon im Preis enthalten, und die Lieferung dauert Tage statt Wochen. Für den Kunden sieht das aus wie ein ganz normaler amerikanischer Shop.

Eigenes Fulfillment. Du kaufst eine Charge ein, führst sie als Importeur ein (selbst oder über einen Zollbroker) und lagerst sie bei einem Fulfillment-Dienstleister. Für solche Lieferungen brauchst du eine Zollbürgschaft (Customs Bond), und ab $2.500 eine förmliche Zollanmeldung. Das ist dann kein reines Dropshipping mehr: Du brauchst Betriebskapital und ein Gespür dafür, welche Produkte sich verkaufen.

Eine sinnvolle Reihenfolge: Teste Produkte bei Lieferanten mit US-Lager und leg dir eigenen Bestand nur für Artikel zu, die sich schon stabil verkaufen. Für die Arbeit mit amerikanischen Dienstleistern und Lagern ist eine eigene Firma in den USA oft praktischer. Wenn du eine LLC hast, denk an ihre Berichtspflichten - siehe wie du die Bundessteuer deiner Delaware LLC aus der Ferne bezahlst.

Schritt 06Prüfe deinen Lieferanten mit dieser Checkliste

Bevor du ein Produkt bewirbst, stell deinem Lieferanten die folgenden Fragen. Wenn er auf die Hälfte davon mit „weiß ich nicht“ antwortet, such dir einen anderen.

  • Verschickt er per DDP in die USA und was kostet dieser Versand inklusive Zoll? Lass dir eine Rechnung für ein konkretes Produkt und Gewicht geben.
  • Welchen HS-Code und welches Ursprungsland hat das Produkt? Beides brauchst du für Shopify, und der Zoll braucht es auch.
  • Gibt er den echten Warenwert in der Zollerklärung an? Ein zu niedrig angegebener Wert oder der Versand als „Geschenk“ ist ein Verstoß, auf den jetzt Strafen stehen, und Pakete können zurückgehalten werden.
  • Wie verschickt er: per Post oder per Kurier? Davon hängen Sätze und Abwicklung ab.
  • Hat er ein Lager in den USA und welche Produkte sind dort vorrätig?
  • Wer haftet bei Verzögerungen am Zoll und was passiert, wenn ein Paket zurückgeschickt wird?
  • Bekommst du eine Sendungsnummer, die auch den Stand der Verzollung zeigt?
  • Wie schnell reagiert er auf geänderte Zollsätze - rechnet er die Preise neu und sagt er rechtzeitig Bescheid?

Bestell ein Testpaket an dich selbst oder an Bekannte in den USA. Daran siehst du sofort, ob eine Rechnung für eine Nachzahlung kam, wie lange der Versand gedauert hat und in welchem Zustand die Ware ankommt.

FazitWas du diese Woche erledigen solltest

  1. Notiere HS-Codes und Ursprungsländer für alle Produkte in deinem Shop.
  2. Rechne die Selbstkosten inklusive Zoll neu und nimm Produkte raus, bei denen die Marge auf null gesunken ist.
  3. Stell den Versand in die USA auf DDP um oder weise deine Kunden zumindest ehrlich auf die Nachzahlung hin.
  4. Aktiviere die Zollberechnung in Shopify und prüf sie mit einer Testbestellung.
  5. Such dir mindestens einen Lieferanten mit US-Lager für deine Bestseller.
  6. Trag dir den 1. Juli 2027 in den Kalender ein: Ab dann ist die Befreiung auch gesetzlich Geschichte, und es lohnt sich nicht, auf ihre Rückkehr zu warten.

Die Zölle haben Dropshipping in die USA nicht getötet, aber für alle teurer gemacht, die noch nach dem alten Muster arbeiten. Wenn du gerade erst startest und deinen Shop von Anfang an auf die neuen Regeln einstellen willst, schreib uns - wir bauen deinen Shop auf Shopify auf und helfen dir mit dem Zahlungssystem.

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