Kasachstan und Usbekistan stehen auf der Liste der Länder, deren Einwohner selbst ein Verkäuferkonto bei Amazon eröffnen können - ganz ohne Mittelsmänner. Wir gehen Schritt für Schritt durch: als was du dich registrierst, welche Dokumente du brauchst, wie du die Verifizierung schaffst, wohin das Geld fließt und warum es nach August 2026 eine schlechte Idee ist, einen fremden Account zu kaufen.

Schritt 01Entscheide, auf wen der Account läuft

Kasachstan wurde im Mai 2021 für die direkte Registrierung bei Amazon freigeschaltet, das meldete damals das kasachische Ministerium für Handel und Integration. Etwa zur selben Zeit kamen Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan auf die Liste. Prüf trotzdem vor dem Start die aktuelle Länderliste in der Seller-Central-Hilfe - sie ändert sich ab und zu.

Dann kommt die wichtigste Frage: Auf wen meldest du den Account an? Es gibt drei Möglichkeiten.

Als Privatperson

Amazon schreibt ausdrücklich, dass du zum Verkaufen weder eine LLC noch ein eingetragenes Unternehmen brauchst: Bei der Registrierung kannst du den Typ None, I am an individual wählen. Das ist der schnellste und günstigste Weg - du brauchst nur Reisepass, Karte, Bankkonto und einen Adressnachweis.

Es gibt aber auch Nachteile. Alle Dokumente müssen auf deinen Namen laufen, und Auszahlungen bekommst du nur über Dienste, die mit deinem Land arbeiten. Für eine ernsthafte Marke und Werbung wird dieses Modell mit der Zeit zu eng.

Einzelunternehmen in Kasachstan oder Usbekistan

Ein Einzelunternehmen lohnt sich, wenn du deine Umsätze legal ins Heimatland holen und dort Steuern zahlen willst. Aber Achtung: Registrierungsunterlagen auf Kasachisch, Usbekisch oder Russisch müssen ins Englische übersetzt werden, und bei Unternehmen verlangt Amazon in der Regel eine notariell beglaubigte Übersetzung. Jede Abweichung in der Übersetzung ist ein Ablehnungsrisiko.

LLC in den USA

Eine US-Firma mit EIN und Konto bei einer amerikanischen Bank ist der Klassiker für alle, die langfristig ein Business aufbauen. Vorteile: Zugang zu US-Banken und Zahlungsdiensten, weniger Fragen bei Auszahlungen. Nachteile: Gründung, Registered Agent, Jahresberichte und Steuererklärungen. Über die Pflichten einer LLC haben wir im Artikel zur Bundessteuer für eine LLC in Delaware geschrieben.

Wenn du gerade erst eine Nische testest, starte als Privatperson. Weißt du schon, dass du Werbung schalten und eine eigene Marke aufbauen willst, plane gleich mit einer Firma.

Schritt 02Sammle Dokumente, die bis auf den Buchstaben übereinstimmen

Auf der offiziellen Seite sell.amazon.com steht, was du für die Registrierung brauchst:

  • Reisepass oder ein anderes Ausweisdokument;
  • E-Mail-Adresse;
  • eine Bankkarte, mit der Zahlungen ins Ausland möglich sind;
  • ein Bankkonto für Auszahlungen;
  • Registrierungsunterlagen des Unternehmens (falls du dich als Firma anmeldest);
  • ein Adressnachweis, nicht älter als 180 Tage - zum Beispiel ein Kontoauszug oder eine Kreditkartenabrechnung;
  • Steuerinformationen.

Für Bürger Kasachstans und Usbekistans eignet sich der Reisepass für Auslandsreisen am besten: Er ist in lateinischer Schrift, und der Name lässt sich leicht mit Karte und Kontoauszug abgleichen. Der Scan sollte farbig sein, alle vier Ecken im Bild, ohne Spiegelungen.

Der häufigste Ablehnungsgrund sind Abweichungen. Der Name im Pass, auf der Karte, im Kontoauszug und im Seller-Central-Profil muss identisch geschrieben sein. Die Adresse im Kontoauszug muss dieselbe sein wie im Formular. Steht im Pass ZHANDOS und auf der Karte ZHANDOSS, stell dich auf eine erneute Prüfung ein.

WichtigAmazon nennt auf seiner Seite 180 Tage für den Adressnachweis, in manchen Verkäufer-Guides ist aber von 90 Tagen die Rede. Um kein Risiko einzugehen, lad einen Auszug vom letzten Monat hoch. Screenshots aus dem Onlinebanking werden oft nicht akzeptiert - du brauchst einen offiziellen Kontoauszug als PDF.

Noch ein Detail aus der Praxis: Schneide den Kontoauszug nicht zu. Die Beträge der Buchungen darfst du schwärzen, aber Name, Adresse und Kontonummer müssen sichtbar sein.

Schritt 03Schaff die Verifizierung und den Videocall

Nach dem Formular prüft Amazon deine Identität. Laut sell.amazon.com dauert das in der Regel bis zu drei Werktage. Viele Verkäufer aus der GUS werden zusätzlich zu einem Videocall eingeladen: Der Link zur Terminbuchung kommt per E-Mail und in Seller Central.

Das Prinzip ist simpel. Ein Amazon-Mitarbeiter gleicht dich mit den hochgeladenen Dokumenten ab: Du hältst deinen Pass in die Kamera, manchmal auch das Original des Kontoauszugs oder des Adressnachweises. Laut Amazon wird in diesem Schritt keine Gesichtserkennung eingesetzt, die Entscheidung trifft ein Mensch.

So kommst du ohne Ablehnung durch den Call:

  • halte die Originale genau der Dokumente bereit, die du hochgeladen hast, und keine anderen;
  • nutze Chrome am Computer oder Safari auf dem iPhone - genau diese Browser empfiehlt die Verkäuferhilfe;
  • teste Kamera und Internet vorher und setz dich an einen hellen Platz;
  • sprich selbst - den Call muss der Kontoinhaber führen, nicht ein Helfer oder Dolmetscher außerhalb des Bildes;
  • wechsle zwischen Registrierung und Call weder Gerät noch Netzwerk.

Klingt nervenaufreibend, in Wirklichkeit dauert der Call aber nur ein paar Minuten. Lässt sich der Termin nicht öffnen oder bricht der Call ab, leg keinen neuen Account an - schreib aus demselben Konto an den Support und bitte um einen neuen Termin.

TippRegistriere dich von einem einzigen Computer aus und über dein normales Internet zu Hause oder im Büro. Häufige IP-Wechsel, VPN und fremde Geräte kann Amazon als Verbindung zu anderen Accounts werten - und das ist ein eigener Sperrgrund.

Schritt 04Leg fest, wohin Amazon dein Geld überweist

Ohne funktionierende Auszahlungsmethode wird der Account nicht aktiviert, also kümmere dich schon vor der Registrierung darum. Es gibt mehrere Optionen.

Payoneer

Payoneer ist offizieller Amazon-Partner für Auszahlungen an Verkäufer aus vielen Ländern. Im Payoneer-Konto bekommst du Kontodaten in US-Dollar, trägst sie in Seller Central als Auszahlungsmethode ein und überweist das Geld dann auf deine lokale Bank. Prüf vor der Registrierung, ob Payoneer Kunden aus deinem Land annimmt und welche Auszahlungswege in Kasachstan oder Usbekistan gerade verfügbar sind. Die Gebühren für Auszahlung und Umrechnung siehst du in deinem Konto: Sie ändern sich.

LLC-Konto bei einer US-Bank

Hast du eine Firma in den USA gegründet, gehen die Auszahlungen auf deren Konto. Für Amazon ist das die unkomplizierteste Variante, aber das Konto muss auf den Namen der Firma laufen, nicht auf deinen persönlichen. Sonst gibt es bei der Prüfung eine Abweichung.

Lokale Bank über den Amazon-Umrechner

Amazon bietet den Currency Converter for Sellers an, der deine Umsätze in über 20 lokale Währungen umrechnet. Ob Tenge und Sum dabei sind, konnten wir zum Zeitpunkt des Schreibens nicht bestätigen. Schau dir die Liste in Seller Central im Bereich Auszahlungsmethoden an.

Auch Einschränkungen für die GUS solltest du einkalkulieren. Russische und belarussische Staatsbürger, die in Kasachstan oder Usbekistan leben, müssen bei Zahlungsdiensten mit zusätzlichen Prüfungen rechnen. Wie sich Payoneer in solchen Fällen verhält, liest du im Artikel über Payoneer aus Russland und Belarus.

Schritt 05Wähl einen Tarif und rechne die ersten Kosten durch

Amazon hat zwei Tarife. Preise zum Zeitpunkt des Schreibens laut sell.amazon.com/pricing:

  • Individual - 0,99 US-Dollar pro verkaufter Einheit, ohne Grundgebühr;
  • Professional - 39,99 US-Dollar im Monat plus Verkaufsgebühren.

Einfache Rechnung: Verkaufst du mehr als 40 Einheiten im Monat, ist Professional günstiger. Außerdem gibt es nur dort Werbung, erweiterte Berichte und Programme für Marken. Für einen Nischentest reicht Individual.

Zusätzlich zum Tarif kassiert Amazon bei jedem Verkauf eine Verkaufsprovision (Referral Fee). In den meisten Kategorien sind das 15 % vom Preis, mindestens aber 0,30 US-Dollar. Je nach Kategorie reicht die Spanne von 8 % (zum Beispiel Computer und Elektronik) bis 45 % (Zubehör für Amazon-Geräte). Für Bücher, CDs/DVDs und Software kommen 1,80 US-Dollar pro Einheit dazu.

Was du für den Start sonst noch einplanen solltest:

  • Einkauf und Lieferung der Ware ins Lager, wenn du FBA nutzt - die Lagergebühren werden separat berechnet;
  • Barcodes und Verpackung;
  • Werbung auf Amazon in den ersten Wochen;
  • bei einer LLC - Gründung, Registered Agent und Buchhaltung.

Für neue Verkäufer wirbt Amazon mit Boni: zum Beispiel 10 % zurück auf die ersten 50.000 US-Dollar Umsatz mit Markenprodukten, wenn du dich mit Professional registrierst. Die Bedingungen solcher Programme ändern sich, lies sie vor dem Start in Seller Central nach. Bist du dir noch unsicher, ob du überhaupt einen Marktplatz brauchst, vergleich ihn mit einem eigenen Shop im Artikel Shopify oder Amazon.

Schritt 06Kauf keinen fremden Account

Die Versuchung ist nachvollziehbar: Warum durch die Prüfung gehen, wenn in Foren „fertige, eingespielte“ Accounts verkauft werden? Doch seit August 2026 ist das noch riskanter geworden.

Laut Branchenmedien verbietet die überarbeitete Verkäufervereinbarung von Amazon (Business Solutions Agreement) seit dem 24. August 2026 ausdrücklich, Rechte und Pflichten aus dem Vertrag ohne Zustimmung von Amazon zu übertragen oder künftige Umsätze des Accounts zu verpfänden. Den offiziellen Text findest du in Seller Central - wir stützen uns auf Zusammenfassungen und empfehlen dir, die Vereinbarung selbst zu lesen.

Schon vor dieser Änderung galt ein Account bei Amazon als nicht übertragbar. Was in der Praxis passiert, wenn der Inhaber laut Dokumenten und der tatsächliche Betreiber nicht übereinstimmen:

  • eine erneute Verifizierung, die du nicht bestehst - der Pass gehört ja nicht dir;
  • Sperrung des Accounts und Einfrieren des Guthabens;
  • eine Verknüpfung mit deinen künftigen Accounts, die dann ebenfalls gesperrt werden können.

Kaufst du ein laufendes Business samt Firma, ist der legale Weg: in Seller Central einen Fall eröffnen, die Unterlagen zum Inhaberwechsel anhängen und die Freigabe von Amazon abwarten. Alles, was „hintenrum“ läuft, ist aus Sicht von Amazon ein Verstoß.

FazitCheckliste vor der Registrierung

  1. Prüf, ob dein Land auf der aktuellen Liste der zugelassenen Verkäuferländer steht.
  2. Entscheide dich: Privatperson zum Testen, Einzelunternehmen oder LLC für den langfristigen Betrieb.
  3. Halte Reisepass, internationale Karte und einen aktuellen Kontoauszug mit Adresse bereit. Namen und Adressen stimmen überall überein.
  4. Eröffne das Auszahlungskonto vorab: Payoneer oder ein Firmenkonto in den USA.
  5. Wähl den Tarif: Individual bis 40 Verkäufe im Monat, Professional bei mehr Verkäufen oder wenn du Werbung brauchst.
  6. Registriere dich von einem Gerät und einem Netzwerk aus, und geh selbst mit den Originaldokumenten in den Videocall.
  7. Kauf oder miete keine fremden Accounts.

Wenn du dich nicht allein durch Auszahlungen und Dokumente kämpfen willst, schreib uns - wir zeigen dir, wie du Payoneer einrichtest und die Unterlagen passend zu deiner Situation zusammenstellst.

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